Nachsteuerrendite ETF

Das Investmentsteuergesetz (InvStG) 2018

Nachsteuerrendite von ETFs und Direktanlagen in Deutschland - mit Beispielen

Dr. Claus Huber, CEFA, CFA, FRM, Dein-Anlageberater.de GmbH,
Dieser Artikel beleuchtet Aspekte zum Thema Nachsteuerrendite von Exchange Traded Funds (ETFs) und Direktanlagen für Privatanleger in Deutschland. Grundsätzlich gilt, dass alle ETFs, die DeinAnlageberater.de empfiehlt, nach den Kriterien Liquidität, Kosten und steuerliche Effizienz so ausgewählt werden, dass dem Privatanleger möglichst viel übrig bleibt. Für eine detaillierte steuerliche Diskussion empfehlen wir jedoch, einen Steuerberater zu konsultieren.

 

Das Investmentsteuergesetz und seine Auswirkungen auf ETFs und Direktanlagen

Das Investmentsteuergesetz (InvStG), das 2018 in Kraft trat, führt als eine wesentliche Neuerung die Teilfreistellung für Anlagefonds ein. Sie wird für unterschiedliche Fondsarten (z.B. für Aktien- oder Mischfonds) gewährt. Die Teilfreistellung bewirkt eine Reduktion des zu versteuernden Betrages, wie weiter unten anhand verschiedener Beispiele erklärt wird. Laut InvStG liegt dann ein Aktienfonds vor, wenn der Fonds gemäβ Anlagerichtlinien mindestens 51% in Kapitalbeteiligungen investiert. Dabei werden dann alle Erträge, auch solche von Rentenanlagen, mit der Teilfreistellung von Aktienfonds (für Privatanleger 30%) behandelt. Ein Mischfonds investiert mindestens 25 % in Kapitalbeteiligungen und erhält eine Teilfreistellung von 15%. Ein Immobilienfonds investiert gemäß Anlagebedingungen fortlaufend mindestens 51 % des Vermögens in Immobilien und Immobilien- Gesellschaften. Immobilienfonds, die mindestens zu 51% in deutsche Immobilien und deutsche Immobiliengesellschaften investieren, genieβen eine Teilfreistellung von 60% der Erträge. Dagegen werden solche Immobilienfonds, die zu mehr als 51% in ausländische Immobilien und Auslands- Immobiliengesellschaften investieren, zu 80% teilfreigestellt. ETFs auf Immobilienaktien investieren in der Regel zu einem hohen Anteil in Real Estate Investment Trust (REITS), die vom Gesetzgeber weder als Kapitalbeteiligung noch als Immobilienanlage gewertet wird (da nicht physisch in Immobilien investiert wird). Sie werden weder als Aktienfonds noch als Immobilienfonds klassifiziert und erhalten daher eine Teilfreistellung von 0%. Rentenfonds erhalten ebenfalls keine Teilfreistellung (0%).

Das InvStG wirkt auf Erträge aus Kapitalanlagen auf zwei Ebenen: der Fondsebene und der Anlagerebene. Ein ausschüttender Aktienfonds bzw. -ETF, der in Deutschland domiziliert ist, zahlt auf erzielte Dividenden seit dem InvStG 2018 15% Körperschaftsteuer. Nehmen wir als Beispiel an, dass ein Privatanleger in einen Aktienfonds investiert. Von EUR 1.000 bleiben als Nettoertrag auf der Fondsebene EUR 850 übrig, siehe auch Spalte 1 in Tabelle 1. Die Teilfreistellung auf Dividenden beträgt 30%. Bezogen auf die EUR 850 sind somit 0,7 * EUR 850 = EUR 595 beim Privatanleger auf der Anlegerebene steuerpflichtig. Darauf werden die 25% Abgeltungssteuer plus SolZ, zusammen 26,375%, fällig: EUR 595 * 0,26375 = EUR 156,93. Als Nettoertrag bleiben dem deutschen Privatanleger also EUR 1.000 – 150 – 156,93 = EUR 693,07 Dividende aus seiner Fondsinvestition. Investiert der Privatanleger direkt in Aktien, kauft er also z.B. Aktien von Siemens, BASF etc. direkt in sein Depot (Spalte 3 in Tabelle 1), sind die ganzen EUR 1.000 steuerpflichtig. Nach der Abgeltungssteuer von 26.375% verbleiben EUR 736,25 und damit ein leicht höherer Betrag als im Fall der Investition über Fonds.

 

    Aktien                 Renten    
    1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Kommentar Fonds / Direkt Direkt Fonds Direkt Fonds Direkt Fonds Fonds Direkt Direkt Fonds Fonds Direkt
  Anlageland D D D CH CH USA USA JP JP D D D
  Ausschüttend / thesaurierend Aus Thes Aus Aus Aus Aus Aus Aus Aus Aus Thes Aus
  Anteilswert per 1.1.2018 n/a 100.000 n/a n/a n/a n/a n/a n/a n/a n/a
100.000
n/a
  Steuerpflichtige Einnahmen 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000 1.000
Fondsebene inländische Steuer 150 150 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
  ausländische Quellensteuer 0 0 0 350 350 300 300 150 150 0 0 0
  Nettoertrag Fondsebene 850 n/a n/a 650 650 700 700 850 850 1,000 n/a 1,000
Anlegerebene Vorabpauschale n/a 609 n/a n/a n/a n/a n/a n/a n/a n/a 609 n/a
  Teilfreistellung in % 30% 30% 0% 30% 0% 30% 0% 30% 0% 0% 0% 0%
  Teilfreistellung in € 255 182.7 0 195 0 210 0 255 0 0 0 0
  Steuerpflichtig 595 426 1,000 455 0 490 700 595 850 1,000 609 1,000
  Abschlagbetrag Steuersatz 26.375% 156.93 112.44 263.75 120.01 0.00 129.24 184.63 156.93 224.19 263.75 160.62 263.75
  Nettoertrag Anleger EUR 693.07 n/a 736.25 529.99 650.00 570.76 515.38 693.07 625.81 736.25 n/a 736.25
Direktanlage Zahlung ausl. Steuerbehörde an dt. Steuerbehörden 0 0 0 0 105.50 0.00 52.75 0 0 0 0 0
  Rückforderung bei ausländ. Steuerbehörde 0 0 0 0 200 0 150 0 0 0 0 0
  Nettoertrag Anleger EUR final 693.07 887.56 736.25 529.99 744.50 570.76 612.63 693.07 625.81 736.25 839.38 736.25
  Steuerlast insgesamt 306.93 112.44 263.75 470.01 255.50 429.24 387.38 306.93 374.19 263.75 160.62 263.75
Stundung Steuerstundung auf Kursgewinne nein ja nein nein nein nein nein nein nein nein ja nein

 

Tabelle 1: Steuerbelastung von Fonds und Direktanlagen
 

Thesaurierende ETFs

Vor 2018 konnten thesaurierende Fonds einen Steuerstundungseffekt erzielen, indem wiederangelegte Erträge bis zur Veräuβerung theoretisch jahrelang unversteuert blieben. Um dies künftig zu verringern, wird mit dem InvStG 2018 die Vorabpauschale eingeführt. Ihre Grundlage ist der Basiszinssatz, der von der Bundesbank jährlich veröffentlicht wird und für 2018 bei 0.87% liegt. Der Basiszinssatz wird mit Multiplikator von 0,7 als einem Abzug für Werbungskosten in Höhe von 30% gewichtet. Grundsätzlich sollen nur Wertsteigerungen versteuert werden, bei Kursverlusten wird eine Vorabpauschale von 0 angesetzt. Maβgebend ist der Rücknahmpreis des thesaurierenden Fonds zu Jahresbeginn. Dazu einige Beispiele: Falls der Rücknahmepreis eines Aktienfonds am 1.1.2018 EUR 100.000 beträgt, berechnet sich der Basisertrag als 100.000 * 0,7 * 0,87% = EUR 609. Falls der Kurs des Fonds am 31.12.2018 z.B. auf EUR 101.000 gestiegen ist, beträgt die Vorabpauschale genau diese EUR 609. Auf EUR 609 wird dann die Teilfreistellung angerechnet, z.B. 30% für Aktienfonds: Es verbleiben 0.7 * EUR 609 = EUR 426,30. Nun werden 25% Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag verrechnet, dann beträgt die Steuerlast für das Jahr 2018 EUR 426,30 * 0.26375 = EUR 112,44 auf der Anlegerebene, siehe auch Spalte 2 in Tabelle 1. Falls der Fonds teilthesauriert und während des Jahres EUR 300 ausgeschüttet hat, wäre die Vorabpauschale EUR 309 und die Steuerlast auf die Vorabpauschale EUR 309 * 0,7 * 0.26375 = EUR 57,05. Auf die EU  300 werden 30% Teilfreistellung angerechnet: 0,7 * EUR 300 = EUR 210. Darauf ist 26,375% Abschlagssteuer zu entrichten: EUR 210 * 0.26375 = 55,39. Die gesamte Steuerlast aus der Teilausschüttung EUR 300 und der Teilthesaurierung beträgt somit EUR 55,39 + 57,05 = 112,44. Sollte derselbe Fonds während des Jahres EUR 1.000 an den Privatanleger ausgeschüttet haben (der Fonds hat also bereits die Quellensteuer bzw. Körperschaftsteuer abgezogen), wäre die Vorabpauschale 0 und die Steuerlast darauf ebenfalls 0, da die tatsächliche Ausschüttung den Basisertrag in Höhe von EUR 609 übersteigt. Auf die ausgeschütteten EUR 1.000 wird die Teilfreistellung in Höhe von 30% angerechnet, dies ergibt EUR 700 als Grundlage für die 26,375% Abschlagssteuer: Die Steuerlast eribt sich damit zu EUR 184,63. Von den ausgeschütteten EUR 1000 bleiben also EUR 815,37 übrig. Im Falle von Kursverlusten, z.B. wenn der Kurs des Fonds -20% auf EUR 80.000 gefallen ist, beläuft sich die Vorabpauschale und damit die Steuerbelastung auf 0.

Wichtig bei der Vorabpauschale ist die Tatsache, dass sie liquiditätswirksam ist: da thesaurierende Fonds keinen Zahlungszufluss erzeugen, muss sie aus Erträgen anderer Fonds bzw. der Cash-Reserve getragen werden. Falls der Privatanleger sein Kapital komplett in thesaurierende Fonds investiert hat, muss er die Vorabpauschale aus seinem Liquiditätsbestand, z.B. von anderen Konten, bezahlen.

Gewinnbesteuerung bei Verkauf der Anteile

Bei Verkauf eines Fonds werden auf Veräuβerungsgewinne zunächst wieder die Teilfreistellungen angewandt. Beginnen wir mit dem Beispiel des thesaurierenden Fonds mit Anteilswert EUR 100.000 zu Beginn des Jahres. Falls er am Ende des Jahres zu EUR 101.000 verkauft wird, beträgt die Vorabpauschale EUR 609. Dieser Betrag aus den Erträgen des Fonds ist damit versteuert. Der übrige Kursgewinn aus EUR 1.000 – 609 = EUR 391 enthält damit aus steuerlicher Sicht Kurssteigerungen. Um diese Kurssteigerungen zu versteuern, werden wiederum 30% Teilfreistellung angerechnet: 0.7 * EUR 391 = EUR 273,70 ergibt die Basis für die Anwendung der 26,375% Abschlagssteuer inkl. SolZ: EUR 273,70 * 0,26375 = EUR 72,19 ist die Steuerlast aus Kursgewinnen des thesaurierenden Fonds. Bei einem ausschüttenden Fonds mit EUR 391 Kursgewinnen ist die Steuerlast aus Kursgewinnen gleich hoch.

Die Vorabpauschale, die auf dem zurzeit niedrigen Basiszinssatz der Bundesbank beruht, führt zu einem Steuerstundungseffekt, siehe auch die letzte Zeile in Tabelle 1. Bei Veräuβerung müssen die von der Vorabpauschale „unbelasteten“ Anteile der Kursgewinne zwar mit der Abschlagssteuer inkl. SolZ von 26.375% versteuert werden. Dies geschieht aber eben erst zu einem Termin, der weit in der Zukunft liegen kann. Während der Haltezeit stehen die gestundeten Steuern für Investitionen zur Verfügung und können für den Investor arbeiten. Eine Quelle der Unsicherheit ist allerdings, dass die Besteuerung in der Zukunft höher oder geringer als heute ausfallen kann. Ebenso kann sich der Basiszinssatz der Bundesbank ändern, z.B. wenn sich das allgemeine Zinssniveau erhöht. Der Steuerstundungseffekt ist umso deutlicher, je höher die Kapitalerträge ausfallen. Das Gleiche gilt für Rentenfonds: je höher die Couponzahlungen, desto mehr lohnen sich thesaurierende Vehikel. Sollte ein Privatanleger z.B. in Aktien bzw. Anleihen mit hohen Dividenden investieren wollen, kann es sich lohnen, nach thesaurierenden Fonds Ausschau zu halten. Tabelle 2 zeigt die Dividendenrenditen für unterschiedliche Länder, die z.B. in Groβbritannien bei 3,5% liegt, in Japan dagegen nur bei 0,8%.

 

     Deutschland UK USA Japan Schweiz
Div. Zinsen Div. Zinsen Div. Zinsen Div. Zinsen Div. Zinsen
Quellensteuer   15 0 0 0 30 15 15 15 35 35
anrechenbare Quellensteuer   n/a n/a 0 0 15 0 15 0 15 0
Dividendenrendite 2.2 n/a 3.5 n/a 2 n/a 0.8 n/a 3 n/a

 

Tabelle 2: Quellensteuern und Dividenderendite in unterschiedlichen Ländern

 

Alle Kursgewinne ab dem 1.1.2018 sind steuerpflichtig. Dies betrifft auch Privatanleger, die ihre Anteile vor dem 1.1.2009 erworben haben und sich bislang über steuerfreie Avancen freuen konnten. Deren Kursgewinne, die bis zum 31.12.2017 erzielt wurden, bleiben weiterhin steuerfrei. Für Profite auf Wertpapieraltbestände ab dem 1.1.2018 gilt ein Freibetrag von EUR 100.000. Sollten die Kursgewinne diesen Freibetrag übersteigen, sind sie steuerpflichtig.

 

Quellensteuer im Ausland und Doppelbesteuerungsabkommen 

Mit dem InvStG 2018 hat sich die Besteuerung von Fonds deutlich geändert. Jetzt ist es für Investoren in Fonds nicht mehr möglich, im Ausland bezahlte Quellensteuer zurückzufordern. Als Ausgleich erteilt das Finanzamt die Teilfreistellungen, mit denen die Steuerlast auf Kapitalerträge

reduziert werden kann. Das Zurückfordern von im Ausland entrichteten Quellensteuern ist jedoch nach wie vor für direkte Anlagen in ausländische Aktien möglich. Das Vorgehen dazu beschreiben die nächsten Absätze:

Deutschland hat mit mehreren Ländern, darunter z.B. die Schweiz, Groβbritannien und Frankreich, Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen, die es dem Privatanleger ermöglichen, seine im Ausland bezahlte Quellensteuer zurückzufordern. Die Formulare für die einzelnen Länder können unter www.steuerliches-info-center.de, Stichwort „Quellensteuer“, heruntergeladen werden. Gute Englischkenntnisse sind beim Ausfüllen nützlich. In der Regel sind gewisse Fristen einzuhalten, innerhalb derer die Formulare eingereicht werden müssen, so z.B. in der Schweiz drei Jahre nach dem Jahr der Ausschüttung. Die Rückerstattung kann innerhalb weniger Monate erfolgen, sich aber auch über einen längeren Zeitraum hinziehen. Das Ausfüllen der Anträge bedeutet einen gewissen Aufwand, den jeder selber gegen die erwartete Rückerstattung abwägen sollte. Die Tabelle unten zeigt die anrechenbare Quellensteuer für einige Länder (Quelle: Broschüre „Anrechenbare ausländische Quellensteuer 2018“, erhältlich unter:

www.bzst.de/DE/Steuern_International/Auslaendische_Quellensteuer/auslaendische_quellensteuer_node.html

Nehmen wir als Beispiel die direkte Investition in japanische Aktien. In Japan beträgt die Quellensteuer auf Dividenden börsennotierter Aktiengesellschaften 15%. Wenn das japanische Unternehmen den Gegenwert von EUR 1.000 Dividende bezahlt, behält der japanische Fiskus 15% bzw. EUR 150 ein. Diese 15% Quellensteuer an den japanischen Fiskus ist in Deutschland anrechenbar. Auf der Anlegerebene sind auf die verbleibenden EUR 850 nun 25% Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag fällig, zusammen 26,375% bzw. EUR 224,19. Eine evtl. anfallende Kirchensteuer lassen wir aus Vereinfachungsgründen weg. Als Ergebnis bleiben dem deutschen Privatanleger EUR 625.81, siehe auch Spalte 9 in Tabelle 1.

Sollte die ausländische Quellensteuer über die 15% hinausgehen, ist die Differenz zu 15% erstattungsfähig. Dies gilt aber nur bei Direktanlagen in ausländische Aktien. Als Beispiel soll die Schweiz dienen: Auf Dividenden von Schweizer Unternehmen erhebt die Eidgenössische Steuerverwaltung eine Verrechnungssteuer von 35%. Im Fall der EUR 1.000 Dividende werden also EUR 350 einbehalten. Davon sind EUR 150 beim deutschen Fiskus anrechenbar. Die Zielgröβe für die Abgeltungssteuer in Deutschland ist EUR 250, daher werden EUR 250 – 150 = 100 plus EUR 5.5 Solidaritätszuschlag an den deutschen Fiskus abgeführt. Zunächst zieht die Depotbank dem Privatanleger damit EUR 455,50 ab. Davon sind jedoch EUR 200 erstattungsfähig, er kann sie also von den Schweizer Steuerbehörden zurückfordern. Letztendlich ergibt sich bei erfolgreicher Rückerstattung aus der Schweiz ein Nettoertrag von EUR 744,50 bzw. eine Belastung durch die Abgeltungssteuer von EUR 105.50 + 150 = 255,50, siehe Spalte 5 in Tabelle 1. Das deutsche Finanzamt erhält insgesamt EUR 105,50 und das eidgenössische Pendant EUR 150.

Investiert der deutsche Privatanleger nicht direkt, sondern über einen Fonds in Schweizer Aktien, ergibt sich folgende Rechung: Von EUR 1.000 Dividende behält das Schweizer Finanzamt EUR 350 ein, damit ist der Nettoertrag auf Fondsebene EUR 650. Auf diese EUR 650 wird die Teilfreistellung von 30% angewendet. Damit reduziert sich der steuerpflichtige Betrag auf der Anlegerebene auf EUR 455. Davon 26,375% entsprechen EUR 120,01. Damit bleiben dem deutschen Privatanleger, der über einen Fonds in helvetische Aktien investiert, nur EUR 529,99. Im Vergleich zur Direktanlage sind dies EUR 214,51 weniger! Grundsätzlich gilt, dass sich eine Direktanlage um so mehr lohnt, je höher die ausländische Quellensteuer angesetzt ist. Die Möglichkeit der Rückforderung an die ausländischen Steuerbehörden kann die Rendite von direkten Aktien- oder Rentenanlagen deutlich erhöhen. Bei Fondsinvestitionen reduziert die hohe ausländische Quellensteuer den Nettoertrag auf der Fondsebene, wodurch die Teilfreistellung auf einen relativ geringen Betrag angewendet wird und dadurch für den Privatanleger unattraktiv wird. Dieser Effekt kann zu Differenzen in der Nachsteuer von 20% und mehr führen, siehe das Beispiel Schweizer Aktien.

Nachsteuerrendite: Domizil weiterhin wichtig

ETFs, die im Ausland investieren, müssen entsprechend im Ausland Quellensteuern auf z.B. dort erwirtschaftete Dividenden entrichten, analog zur deutschen Quellensteuer. Ebenfalls analog zur Situation in Deutschland gibt es die Möglichkeit, die dort gezahlten Steuern zurückzufordern. Der theoretisch günstigste Fall entspricht einem ETF, der im Land seiner Investitionen domiziliert ist. Der beste Standort für einen ETF auf den S&P500 wären dementsprechend die USA. Ein US-domizilierter ETF muss keine US-Quellensteuer („Withholding Tax“) bezahlen. Allerdings behalten die USSteuerbehörden 30% der Ausschüttung an den Privatanleger ein. Davon kann der ETF die Hälfte mittels eines Antrags an die US-Steuerbehörden zurückfordern. Netto den gleichen Effekt erzielt der Privatanleger, wenn er einen ETF auf den S&P500 mit Domizil Irland kauft. Da Irland ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit den USA ausgehandelt hat, kann der ETF die Hälfte der 30% Steuer auf die Ausschüttung von den US-Behörden zurückholen. Der Privatanleger muss dazu jedoch keinen Antrag an die US-Steuerbehörden stellen, sondern kann die Arbeit den irischen ETF erledigen lassen. Ungünstig sieht die steuerliche Situation für einen ETF mit Sitz in Luxemburg aus. Da Luxemburg mit den USA kein entsprechendes DBA abgeschlossen hat, verbleibt der gesamte Steuerbetrag von 30% der Ausschüttung in den USA. In allen drei Fällen werden zwar aus Sicht des deutschen Fiskus die gleichen Steuersätze angewendet, allerdings ergibt sich im Fall des luxemburgischen ETFs wegen des fehlenden DBA mit den USA eine geringere Nettorendite für den Privatanleger. Zusammenfassend fährt der Privatanleger bei einer Investition in US-Aktien daher mit einem US- bzw. irischen ETF am effizientesten.

Auch für Investitionen im europäischen Ausland spielt das Domizil des ETF eine wichtige Rolle. Bildet ein ETF z.B. den EuroStoxx50-Index ab, so ist entscheidend, aus welchen Ländern die Indexkonstituenten stammen und ob diese Länder mit dem Land des ETF-Domizils ein DBA abgeschlossen haben. Im Fall des EuroStoxx50 stammt ca. 92% der Indexallokation aus den fünf Ländern Frankreich, Deutschland, Spanien, Niederlande und Belgien. Da Luxemburg mit diesen Ländern gültige DBA besitzt, kann auch ein Groβteil der Quellensteuer zurückgefordert werden. Noch günstiger sieht dies für irische ETFs aus, weil DBA auch zwischen Irland und Italien bzw. Finnland in Kraft sind. Aus diesen beiden Ländern stammen die restlichen 8% der Allokation des EuroStoxx50. Irische ETF können somit noch ein wenig mehr Quellensteuer zurückfordern als solche aus Luxemburg. Eine Sonderstellung nehmen ETFs auf britische Aktien ein: Für diese ist der ETF Standort nicht relevant, da Grossbritannien keine Quellensteuern auf Dividenden erhebt. Je höher die Ausschüttung, desto stärker fallen die Regeln zur Besteuerung ins Gewicht, siehe auch Tabelle 2.

Synthetische vs. Physische Replikation

Synthetisch replizierende ETFs bilden einen Index mit Hilfe eines Swaps ab. Diesen Swap schlieβt die Fondsgesellschaft in der Regel mit mehreren Gegenparteien ab, z.B. mit Investmentbanken. Damit hängt der Wert des Swap zum einen von der Entwicklung des Index ab. Dies ist vom Investor gewünscht. Zum anderen kann jedoch auch die Bonität der Gegenparteien den Wert des Swap beeinflussen: Wenn der Index seit Abschluss des Swap gestiegen ist, schulden die Investmentbanken der Fondsgesellschaft Geld. Sollte sich die Bonität der Investmentbanken dramatisch verschlechtern und sie evtl. zahlungsunfähig werden (Beispiel: Lehman Brothers), dann wäre der Swap weniger wert. Dieses Bonitätsrisiko existiert dagegen nicht bei physisch replizierenden ETFs: Diese kaufen die dem Index zugrunde liegenden Titel, die bei einer Depotbank hinterlegt sind. Steuerliche Implikationen ergeben sich keine aus der Art der Replikation. Weiter unten wird erläutert, wie die Bonität der Depotbank auf den Wert eines Fonds wirkt.

Depotbanken – unsichtbar und nützlich

Die Depotbanken unterstützen den Privatanleger bei der Erfüllung der Pflichten gegenüber dem Fiskus. So übernehmen sie die Berechnung der Vorabpauschalen, verrechnen Erträge mit möglicherweise angefallenen Verlusten, berechnen die Steuerlast, wo möglich (z.B. bei deutschen und ausländischen Fonds, ausschüttendend oder theasurierend), berücksichtigen Freistellungsaufträge und überweisen evtl. fällige Beträge an die Steuerbehörden. Darüber hinaus erstellen sie die Erträgnisaufstellung und die Steuerbescheinigung, die für das Ausfüllen der Steuererklärung hilfreich sind.

Was geschieht bei Insolvenz?

Nach deutschem Recht ist Fondsvermögen als Sondervermögen zu führen. Bei der Insolvenz einer Depotbank verbleibt das Sondervermögen außerhalb der Insolvenzmasse und bleibt somit im Eigentum des Investors, der ein Herausgaberecht für sein Eigentum hat. Praktisch würde in diesem Fall wohl die BaFin einen Institutswechsel zu einer anderen Depotbank anordnen. Sollte der ETF-Manager, also die Fondsgesellschaft, insolvent werden, bleibt das Fondsvermögen als Sondervermögen eigenständig erhalten. Das Recht zur Verwaltung der Sondervermögen geht auf die Depotbank über, die den ETF abwickelt und die liquidierte Kapital an die Anleger zurückzahlt. Möglich wäre auch, dass die BaFin die Aufgabe des Managements des ETFs an eine andere Fondsgesellschaft überträgt. In jedem Fall bleibt das Kapital des Investors von der Insolvenz der Depotbank unberührt.

Fazit 

Das InvStG 2018 hat Auswirkungen auf die Nachsteuerrenditen unterschiedlicher Fondsstrategien: Sollte der Privatanleger sich für hohe Dividenden interessieren, sind thesaurierende Fonds einer Direktanlage vorzuziehen. Ausschüttende Fonds bilden hier das untere Ende der Attraktivitätsskala. Direktanlagen sind bei Investitionen in Länder mit hohen Dividendenrenditen und hohen Quellensteuern (z.B. Schweiz) interessant, weil der Privatanleger sich dort einen Teil der gezahlten Quellensteuer zurückzahlen lassen kann. Voraussetzung dafür ist allerdings der Schriftverkehr mit ausländischen Steuerbehörden, der zusammen mit dem Warten auf die tatsächliche Rückzahlung einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Bei Fonds mit geringen Dividendeneinnahmen, die z.B. in Wachstumswerte investieren, ist eine Fondsanlage einer Direktanlage überlegen. Bei Investitionen in ETFs, die im Ausland investieren, sollte ein Blick auf die vorhandene Doppelbesteuerungsabkommen des Domizillandes mit dem Anlageland nicht fehlen. Irische Fonds haben z.B. bei (Teil-) Investitionen in US-Aktien einen Vorteil gegenüber ETFs aus Luxemburg, weil das Groβherzogtum bislang kein DBA mit den USA abschlossen hat.

 

 

Bild: © istock by Getty Images
 

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